Sina veröffentlicht ihr neues Album - Quelle: sina.ch
Sina veröffentlicht ihr neues Album
(Quelle: sina.ch)
Sina veröffentlicht kommende Woche ihr neues Album "Ich schwöru". Mitte März startet die Tour durch die Schweiz. Musikredaktor Severo Marchionne wollte von der charmanten Walliserin wissen, ob sie an die ewige Liebe glaubt und erfuhr, weshalb sie als Single ein Schwingfest besuchen würde.

Man darf gespannt sein auf Sinas neuestes Werk: Einflüsse von Jazz, Klassik und Hip-Hop sind zu hören, Walliser Dialekt mischt sich mit dem Berndeutsch von Büne Huber und Steff la Cheffe und auf der Bühne steht eine neue Band.

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Mit Sina sprach Severo Marchionne
Sina, dein neues Album heisst "Ich schwöru". Die gleichnamige Single ist eine sehr feinfühlige Ballade, der Text ist aber nicht von dir. Wie identifizierst du dich mit einem solchen Song?
Ich bin seit jeher Anhängerin der Kombination Schriftsteller – Musiker, weil so jeder bei seinen Leisten bleiben und das machen kann, was er am Besten kann. Mit meinen beiden Freundinnen, den Schriftstellerinnen Sibylle Berg und Milena Moser, klappt das seit Jahren super. Wir kennen uns mittlerweile so gut, dass es oft nicht mehr braucht als eine Themenidee, einen Hinweis dessen, was ich gerne beschrieben haben möchte, und dann kommen ihre Varianten zurück. So schieben wir das etwas hin und her bis Musik und Text sich gefunden haben. Sibylle Berg ist dieses Mal wirklich ein Wurf gelungen – innerhalb kurzer Zeit kam der Text zurück, perfekt, genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Da ist es schön, wenn man sich kennt und auf der gleichen Wellenlänge ist. Bei "Ich schwöru" waren es ein paar wenige Wörter, die ich umgeschrieben und rhythmisch auf das Lied angepasst habe. Der Text passte wirklich perfekt auf die Musik.
Ausschnitt aus dem Video "Ich Schwöre" Sina feat. Büne Huber - Quelle: YouTube
Ausschnitt aus dem Video "Ich Schwöre" Sina feat. Büne Huber
(Quelle: YouTube)
Wie war bei "Ich schwöru" die Zusammenarbeit mit Büne Huber – ich stelle sie mir sehr lebhaft und lustig vor…
Ja, das war sie. Büne ist ein extrem spannender, lebendiger Mensch, der das Herz auf der Zunge trägt. Und vor allem ist er ein fantastischer Sänger. Wir hatten ja schon vermehrt zu tun miteinander und sagten immer, irgendwann würden wir ein Lied haben, das wir zusammen sängen. Als ich dieses Lied mit Markus Kühne schrieb, hörte ich Büne schon mitswingen. Ich hab ihm das Demo noch am selben Abend geschickt und er meldete dann umgehend, er sei sofort dabei, das Lied mit mir zusammen aufzunehmen.
Im Text heisst es: "Ich schwöre, ich lasse dich nie mehr alleine; was ich dir hier verspreche ist, dass das mit uns ewig bleibt". Kann ein solches Versprechen heute überhaupt noch Realität sein, oder ist es eine Illusion oder ein Wunsch?
"Ich schwöru" ist für mich zuerst einmal ein Album-Titel, ein Song-Titel, aber auch die grösste Form einer Liebes-Bekundung, die so auch gemeint ist. Wenn ich jemandem ewige Liebe schwöre, dann kommt das von Herzen. Was weiss ich, wie sich etwas in 20 Jahren entwickelt, aber in dem Moment, in dem man diese Liebe spürt, ist das eine sehr ehrliche Äusserung, ein Statement. Natürlich gibt es die grosse Liebe, gibt es den Mann, mit dem man alt werden will, auch wenn er schnarcht und während des Schlafens spricht. Ich finde es schön, einen Weg zusammen zu gehen und sich ganz aufeinander einzulassen. Die Realität ist ja auch anders; 50% dieser Liebesschwüre gehen zu Bruch. Das liegt dann an Dingen, die man zum Teil beeinflussen kann, zum Teil aber auch nicht.
Sina beim Interview mit Radio Swiss Pop - Quelle: RSP
Sina beim Interview mit Radio Swiss Pop
(Quelle: RSP)
Im Song "Villicht im Mai" wiederum ist die Rede von der Einsamkeit, von der Suche nach einem Partner. Es ist fast schon eine verzweifelte Suche: "Mir ist egal, was er ist, wie er ist, welche Religion er hat usw." – ist das nicht auch etwas illusorisch?
Bei diesem Lied war mir vor allem wichtig aufzuzeigen, wie schwierig es ist, übers Internet, über virtuelle Medien einen Partner zu finden. Ich bin immer noch der Überzeugung, dass man jemanden riechen und sehen und hören muss. Wir sind biochemisch so angelegt. Auf dieser Ebene muss es funktionieren, muss es funken.
Das Virtuelle ist eine Schwierigkeit, weil man da ganz viel reinpacken will, man hat diese riesigen Erwartungen, die kaum erfüllt werden können. Auf der anderen Seite kann ich es verstehen – durch die fehlende Zeit muss die Partnersuche nebenbei, neben Job und Karriere, stattfinden, und so versucht der Single eben, seinen Lebenspartner oder seine Lebenspartnerin in der virtuellen Welt zu finden. Persönlich würde ich mich wohl eher an einem Schwingfest nach einem Mann umsehen.
Könnte sie morden für ein Bonbon? - Quelle: sina.ch
Könnte sie morden für ein Bonbon?
(Quelle: sina.ch)
"Bonbons" ist ein sehr beschwingtes Lied mit coolen Bläsersätzen, aber der Inhalt ist eigentlich sehr schwarz gemeint, sehr deftig...
Es geht um Sucht. Ob Zigaretten, der dauernde Griff zum Handy oder das ständige E-Mail-Checken ist grundsätzlich unwichtig. Obwohl Aussenstehende solche Zwangshandlungen zum Teil schlecht nachvollziehen können, kann das für den Einzelnen ein riesiges Problem sein. Als junge Internatsschülerinnen hatten uns die Ordensschwestern verboten, während der Pause in die Bäckerei vis-à-vis zu gehen.
Ein paar andere Mädchen und ich haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um uns unbemerkt mit Süssigkeiten einzudecken; die 9 Uhr Pause ohne Weggli mit Ragusa war undenkbar. Mit der Zeit hatte ich grosse Mühe, mir dieses Ritual abzugewöhnen. Ich hatte kein gesundheitliches Problem, aber ich merkte, wie schnell man sich nicht mehr entziehen kann, wie schnell ein Genuss oder eine Lust zu einer Sucht wird. Und genau darum geht es in "Bonbons". Dass du zu einem Punkt kommst, an dem du sogar morden würdest für ein Bonbon.
"Äso Täg" ist für mich persönlich eines der schönsten Lieder des Albums. Es ist autobiografisch, richtig?
Das ist so. Dieses Lied beschreibt den Verlust eines Menschen, der einen immer wieder in Wellen einholt. Kleine Tsunamis, die einen mitreissen, und die man nicht versteht – was passiert ist, wie es passiert ist, und wie man damit leben kann. Mit dem Fehlen eines Menschen, der mir sehr nahe stand. Seit eineinhalb Jahren greife ich immer wieder zum Telefon und realisiere dann, dass ich nicht mehr anrufen, nicht mehr fragen kann. Die alten Geschichten, die Verbundenheit, die wir hatten, sie sind einfach weg. Es sind Tage, an denen man einfach nicht begreift, was passiert ist, und wie man damit umgehen soll. Die Trauer, die einen immer wieder übermannt, die jeder kennt, der jemanden Nahestehenden verloren hat.
Cover des Albums "Ich schwöru"
Cover des Albums "Ich schwöru"
Musikalisch gesehen hat sich seit deinem letzten Album einiges verändert. Du hast zum Beispiel mit dem Zürcher Sinfonieorchester zusammengearbeitet, sehr viel Akustik eingebracht, mit den Bläsern des Swiss Jazz Orchestra hast du einen jazzigen Einfluss einbezogen. Haben dich deine unterschiedlichen Projekte der letzen Jahre für dein neues Album inspiriert?
Definitiv. Die letzten zwei Jahre hatten einen extrem grossen Einfluss auf dieses Album. Das Schöne daran ist, dass ich jedes einzelne Projekt einbeziehen konnte, ohne mich auf eine einzige musikalische Richtung zu beschränken. Das Zürcher Sinfonieorchester hat neben dem Jazztrio und der Bläsercombo Platz. Die einzige Konstante auf dem Album ist der Walliser Dialekt und die Stimme.
Für mich sind die 12 Songs wie ein Best of auf einer Kassette, die man für seine besten Freunde aufnimmt – es ist sehr lebendig und emotional; ein Mix wie ich ihn auch bei andern gerne höre. Was ich überhaupt nicht wollte, war, das zu rekonstruieren, was schon war. Das bedeutet auch, dass es mehr Zeit braucht. Mehr Auseinandersetzung mit Themen, musikalischen Tendenzen, Stilrichtungen. Was ich sicher wusste, war, dass das Klavier im Mittelpunkt der Produktion stehen sollte. Dann erfreuten mich die schöne Begegnungen mit Musikern, die ich sehr schätze, mit denen ich schon gespielt habe, wie eben die Musiker des Swiss Jazz Orchestra, aber auch Leute, mit denen ich unbedingt zusammenarbeiten wollte, wie mit dem wunderbaren Galatea-Streichquartett. Ganz wichtig war mir auch, dass man hört, wie diese Handwerker arbeiten – es sollte auch einmal gehörig pfeifen und kratzen.
Die "Ich schwöru"-Tour startet am 17. März. Was dürfen wir erwarten?
Ich werde nicht mit dem Sinfonieorchester unterwegs sein, dafür sind einige Bühnen definitiv zu klein… Aber ich habe eine neue vierköpfige Band, Multiinstrumentalisten, die sich freuen, auf der Bühne die Instrumente auch einmal auszuwechseln. In zwei Wochen werden wir eine Intensiv-Probewoche haben, um zu schauen, wo uns die Songs musikalisch live hinführen.

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