CD-Tipps: Adrian Sieber und Zucchero

"Stationspiraten" und "Leerer Schnabel" - das sind die Stichworte zu unseren CD-Tipps des Monats. Was es damit auf sich hat? Lesen Sie die Rezensionen von unserem Musikprogrammierer Severo Marchionne! So viel sei schon einmal verraten: Es sind grosse Gefühle angesagt!

National: Adrian Sieber "Stationspiraten"

Nach den grossen Erfolgen mit seiner Band "Lovebugs" erfüllte sich Adrian Sieber vor 2 Jahren mit der Veröffentlichung seines Debüt-Solo-Albums "Adrian Solo" einen persönlichen Wunsch. Musikalisch war das Album angelehnt an den klassischen Klangbildern der 80er-Jahre Synthi-Zeit. Schon damals hegte er den Traum Filmmusik zu schreiben. Sein Traum wurde erhört und er wurde angefragt den Soundtrack zum Schweizer Film "Stationspiraten" zu komponieren.

Als Vorgabe bekam Adrian Sieber von Regisseur Mike Schaerer Stichworte wie "Verlassen sein" oder "Fröhlichkeit". Daraus schrieb Adrian Sieber die Lieder. Sie sind mehrheitlich akustisch instrumentiert. Die Tempi und Arrangements variieren. Sensibilität, Melancholie, Einsamkeit, Resignation, Wut, Energie, Kraft, Hoffnung, Träume, Lebensfreude, Lachen, Freundschaft: Das sind Stichworte und Gefühle, die beim Hören des Albums aufkommen. Adrian Sieber gelang es mit "Stationspiraten" einen Soundtrack zu schreiben, der einen Film vor seinem eigenen geistigen Auge zulässt; der einen auch ohne den Film gesehen zu haben erspüren lässt, was die jugendlichen Hauptdarsteller erleben. Somit ist dieser Soundtrack nicht nur im Kino sondern auch zu Hause ein Genuss, denn er enthält wiederum sehr schöne Kompositionen von Adrian Sieber, die hervorragend Stimmungsbilder vermitteln…
Adrian Sieber auf Radio Swiss Pop...

International: Zucchero "Chocabeck"

Zucchero stammt aus einer sehr armen Familie. Der CD-Titel "Chocabeck" bezieht sich auf diese Umstände und im Inneren des Booklets wird diesbezüglich eine Anektode erzählt. Im Dialekt "Reggiano" (Emilia-Romagna) heisst "choca" "leer" und "beck" "Schnabel". So kam es, dass, wenn Zucchero seinen Vater fragte, welche Süssspeise es am Sonntag - ein spezieller Tag am Tisch vor allem für die ganz armen Leute - gäbe, dieser des Öfteren antwortete: "Chocabeck" - "Leerer Schnabel". Durch die Musik hat es Zucchero zu einem weltweit anerkannten, sehr beliebten und erfolgreichen Künstler gebracht. Und zu Wohlstand. Dennoch ist er immer mit beiden Füssen auf dem Boden und sehr natürlich geblieben.

Den Bogen von Armut zu Wohlstand könnte man auch auf das neueste Album von Zucchero übertragen. Denn mit Stücken wie "Un soffio caldo" ist der "klassiche" Zucchero zu hören: wunderbare Orchestrierungen mit Blues- und Gospel-Elementen. Sehr unter die Haut geht das Lied "Il suono della domenica" (auf der "Italian CD Version"), welches auch dem "ursprünglichen" Zucchero zuzuteilen ist. Melancholie und Sensibilität kommen hier durch Zucchero’s Gesang sensationell zum Tragen, weil die Musik und die Instrumentalisierung sehr fein gehalten werden. Auf der "International CD Version" ist dieses Lied übrigens auf Englisch von Zucchero gesungen und den Text dazu lieferte Bono von U2.
"È un peccato morir" kommt wunderbar melodisch-akustisch-poppig daher. Ein Beispiel für die "mittlere Schaffenszeit" von Zucchero und ein weiterer potentieller Hit. Der angesprochene Bogen wird dann soweit gespannt, dass in Stücken wie "Vedo nero" oder der ersten Single "Chocabeck" heutige Beat- und Dance-Elemente Einzug halten. Zucchero gestern und heute: Mit "Chocabeck" liefert er ein aussergewöhnlich vielseitiges Album, welches uns nicht nur den Sonntag zu versüssen vermag…

Konzertdaten... I Zucchero auf Radio Swiss Pop...